Auf nach Kiel

Am Dienstag, 25.06.2019, war es so weit: Nach ein paar Jahren Pause steuerte die „Lissi“ dieses Jahr wieder die Kieler Woche an. Die Vorfreude war groß, und so konnten wir für diese Reise auch zügig viele motivierte Besatzungsmitglieder, Mitsegler und Mitseglerinnen gewinnen. Nach einem für einige schon obligatorischen und bei den hochsommerlichen Temperaturen wohlverdienten Abschiedsbesuch in der Elsflether Eisdiele versammelte sich die Crew an Bord und machte gegen 18 Uhr klar zum Auslaufen.

Der Überführungstörn von Elsfleth nach Kiel führte uns zunächst die Weser hinunter und hinter dem Leuchtturm Roter Sand anschließend die Elbe hinauf bis nach Brunsbüttel. Selbst nachts auf der Nordsee war noch kaum Abkühlung zu spüren, also improvisierten wir etwas und funktionierten den meterlangen Werftlüfter in eine bordeigene Klimaanlage um, mit der wir 19 Grad kühle Luft in die einzelnen Komparte bliesen.

Von der Schleuse bei Brunsbüttel aus nahmen wir die „Abkürzung“ durch den Nord-Ostsee-Kanal bis nach Kiel. Wie immer kamen für die Passage Lotsen zu uns an Bord – und einer von ihnen schmiedete zusammen mit unserem Kapitän einen überraschenden Plan für die Kieler Auslaufparade am Samstag. Außerdem erwies er sich als begeisterter Tradi-Segler und übernahm freudestrahlend selbst das Ruder für die Passage durch den Kanal. Auch gegen den Vorschlag des diensthabenden Wachleiters, nach Anschlagen des Topsegels dieses noch einmal zu testen, hatte er nichts vorzubringen, ganz im Gegenteil bekam die Aktion ein Daumenhoch des Lotsen. Nur bis zur Schleuse bei Kiel – etwa eine halbe Stunde später – sollte das Segel wieder runter. Trotzdem – auch für eine halbe Stunde lohnte es sich, einmal mit Segeln durch den Nord-Ostsee-Kanal zu gleiten!

Und dann lag Kiel schon in strahlendem Sonnenschein vor uns. Auf der Förde und an den Kais herrschte schon reges Treiben von anderen Groß- und Traditionsseglern. Da unser eigentlicher Liegeplatz im Päckchen neben der „Gulden Leeuw“ gerade besetzt war, legten wir am ersten Abend im abgeschirmten Bereich des Kreuzfahrerterminals an. Doch auch hier fanden uns schon die ersten Besucher*innen und wir konnten unsererseits den ersten Ausflug auf die Kieler Woche starten. Fazit des ersten Erkundungsausflugs: Crêpesbuden und dänisches Softeis mit den verschiedensten bunten Streuselsorten gab es an jeder Ecke; eine Waffelbude wurde hingegen bisher noch nicht gesichtet.

Hinaus auf die Kieler Förde

Die folgenden drei Tage verbrachten wir im Trubel der Kieler Woche. Tagsüber unternahmen wir mit Gästen und Mitsegler*innen Tagestörns in die Kieler Förde, stets begleitet von einem Gewimmel anderer Segler aller Bauarten und Größen – und einmal auch von einem Schweinswal, der in Sichtweite der „Lissi“ seine Finne aus dem Wasser streckte. „Schweinswal steuerbord querab!“, tönte es dann lauthals von der Nock.

In Begleitung einiger kletterfreudiger Crewmitglieder wurde das Aufentern in die Masten von den Gästen gern einmal ausprobiert, um so diesen einmaligen Blick von oben zu genießen. Auch bei Segelsetzen und -manövern fassten einige Mitsegler*innen eifrig mit an. So viel körperliche Tätigkeit und Seeluft machen natürlich hungrig – und so griffen alle gerne zu bei den herausragenden kulinarischen Erlebnissen, mit denen Kombüse und Backschaft uns verwöhnten. Wer dennoch am Abend noch oder schon wieder Appetit hatte, dem bot sich dann die Möglichkeit, die Kieler Woche auch an Land zu erkunden. (Fazit des zweiten Tages: Waffelstand gefunden!)

Auch mit den Besatzungen anderer Traditionssegler konnten wir uns treffen und austauschen. Ein paar Besatzungsmitglieder hatten so beispielsweise die Gelegenheit, die „Santa Barbara Anna“ aus Rostock näher kennenzulernen, andere drehten eine kleine Hafenrunde mit der Bremer „Amphitrite“, die noch einmal verholt werden musste, um die „Roald Amundsen“ anlegen zu lassen.

(Fazit Tag drei: Auch bei den Finnen gibt es wunderbare Waffeln. Überhaupt lohnt sich die Ländermeile, um kulinarische Spezialitäten aus aller Welt zu entdecken und zu probieren und die Kieler Woche vielleicht mit einem kühlen dunklen, echt irischen Guinness ausklingen zu lassen.)

Segel gesetzt für eine große Überraschung

Am Samstag begann der Tag an Bord um 8 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück von Crew und Mitsegler*innen. Gespannt und voller Erwartung auf die große Auslaufparade der Kieler Woche wurde anschließend das Schiff aufgeklart und für die Tagesgäste vorbereitet.

Um 10 Uhr kam der Lotse an Bord, der uns an diesem Tag begleiten sollte, und dann ging es auch schon los. Die „Gulden Leeuw“, mit der wir im Päckchen lagen, startete zuerst, danach hieß es für uns ablegen. Kaum hatten wir unsere Startposition als Führungsschiff der dritten Gruppe erreicht, wurde die Parade eröffnet. Gemeinsam mit der „Mir“ und der „Thor Heyerdahl“ fuhren wir mit unzähligen weiteren Traditionsseglern und Sportbooten hinaus bis zum Leuchtturm Kiel. Selbst einige Kajakfahrer begleiteten die Parade am Rande ein Stück weit mit.

Mitten im Gewimmel tauchte dann ein kleineres Tradiboot auf unserer Backbordseite auf. Wir hatten auf das blaue Holzboot gewartet und waren bereit: Pünktlich um Viertel nach elf zogen wir vor unserem Schonersegel ein weiteres Segel hoch, ein buntes, weithin sichtbares Segel mit der Aufschrift „Caro, will you marry me?“, und im selben Moment wurde auf dem Boot neben uns die entscheidende Frage gestellt – und zum Glück mit Ja beantwortet. Nur allzu gern hatten wir an der großen Überraschung, die unser Kapitän und der Lotse im NOK für einen Freund geplant und ermöglicht hatten, mitgewirkt und die Kulisse für dessen Heiratsantrag geboten – und wir gratulieren Detlef und seiner Braut von ganzem Herzen!

Zurück nach Elsfleth

Nach der ereignisreichen Parade hieß es auch schon Segel setzen für die Heimreise nach Elsfleth. Noch einmal legten wir an unserem Liegeplatz neben den Holländern in Kiel an, damit die Gäste von Bord gehen konnten, und steuerten dann die Schleuse zum NOK an. Für ein verspätetes Crewmitglied gab es noch auf die Schnelle den Lissi-spezial-Shuttleservice mit Schnulli bis zum Kai am Bahnhof. Kurz vor der Schleuse machten wir noch einmal neben der „Eye of the Wind“ fest und nahmen neue Gäste an Bord, dann hieß es wirklich: Auf Wiedersehen, Kiel, bis zum nächsten Mal!

Um 18 Uhr kam der Kanal-Lotse zu uns an Bord. Er freute sich sehr darüber, uns lotsen zu dürfen, da ein Traditionssegler nicht täglich durch den Nord-Ostsee-Kanal fährt.

Bei wunderschönstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen ließen Mitsegler*innen und Crew den Tag entspannt ausklingen. Nachts um zwei passierten wir die Schleuse in Brunsbüttel und die Kugelbake in Cuxhaven bei Sonnenaufgang. Mit mitlaufender Tide konnten wir am Sonntag dann wieder am Liegeplatz in Elsfleth festmachen, wo wir schon von einigen Crewmitgliedern begrüßt wurden – die sich auch schon auf die Sommerreisen 2019 freuen, die am nächsten Wochenende starten, wenn die „Lissi“ wieder auf die Reise geht.

 

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